Es eInkt.

Es gibt Dinge, von denen ich felsenfest glaube, dass ich sie nicht brauche: Mikrowellen, Smartphones, Mineralwasser, Nachthemden, Babylaufstall, eReader zum Beispiel. In Bezug auf letztere hat sich meine Meinung geändert.

In den USA werden mittlerweile mehr eBooks als Papier(taschen)bücher verkauft. Das hat mich doch sehr überrascht, weil in meinem Umfeld bisher nur sehr wenige eLeser aufgetaucht sind. Warum auch ein eBook kaufen, das wegen der Buchpreisbindung in Deutschland fast so teuer ist, wie das auf Papier gedruckte Buch, das nicht dekorativ ins Bücherregal gestellt, nicht schön verpackt mit Widmung verschenkt oder verliehen werden kann.

Ich beobachte mich in meiner Freizeit immer häufiger lesend am Bildschirm, gedruckt wird kaum noch etwas, und eInk, genauer Lesegeräte mit elektronischer Tinte, soll ja viel angenehmer für die Augen sein. Die Möglichkeit Feeds oder auch eine beliebige Website per einzelnen Klick zum späteren gemütlichen lesen im Federkissen auf den eReader zu schicken, fand ich da sehr verlockend.

Beim nächsten Besuch von Amazon fiel mir die aufdringliche Kindle-Werbung ins Auge. Der Preis ist erneut gefallen. Im Vergleich zu dem, was andere für Tablets und Smartphones ausgeben, um doch wieder nur auf leuchtende Bildschirme zu gucken und nicht einmal gescheit tippen zu können, also ein relativ günstiges Vergnügen. Auch soll ein eReader zur Abwechslung mal ein Gerät sein, das ökologisch sinnvoll ist, auch wenn ich das stark bezweifle. Der geringe Stromverbrauch und Einsparung von Papier und Transportkosten sind die Argumente.

Amazon hat es geschafft, das Verlangen nach eInk ist geweckt. Da ja gerade neue eReader Generationen erschienen sind, erwartete ich bei ebay ältere Versionen als Schnäppchen ersteigern zu können. Aber Fehlanzeige, bei ebay gingen die gebrauchten Vorgänger teilweise für mehr als den Neupreis über die Ladentheke.

Nun liegt das neue Teil in meinem Strickkorb, den als erstes habe ich die gesammelten eBooks und PDFs auf den eReader geladen, darunter auch viele Sockenstrickanleitungen. Einige auf meiner Wunschliste stehende Klassiker konnte ich mir zum Nulltarif aus dem Netz laden. Die echten eBooks lesen sich wirklich bequem. Ich konnte gar nicht aufhören. (Bräuchte ich so bald auch nicht, denn der Akku soll ja 2 Monate halten.) Mit einer Hand lässt sich der Reader halten und bedienen und er stinkt auch nicht, wie viele Bücher.

Mal abgesehen davon, dass die rein textbasierte farblose Aufbereitung von Webinhalten sehr gewöhnungsbedürftig ist, hat die Nutzung des eReaders hierfür noch einige Mängel. Eine DINA4-Seite eines PDFs ist auf dem 6 Zoll Bildschirm nicht lesbar und muss sich zurechtgezoomt werden. Das ist ok für Strickanleitungen, aber nicht um mehrseitige PDFs zu lesen. Ich habe mir bisher noch nie große Gedanken gemacht, wie genau der Feed eines Blogs aufgebaut ist, nun leide ich unter den Unterschieden. Einige habe ich für das elesen direkt wieder abbestellt, weil sie unnavigierbar waren und zu viel Datenmüll enthielten.

tl_files/webkrebse/img/kindleshot.jpgDer Rest der Familie hat natürlich mitgetestet. Alle wollten auf dem Bildschirm rumtouchen. Dann halt mit dem Cursorpad zu einem Link navigieren und Überraschung. Der Kindle hat einen sehr einfachen Webbrowser, in dem die verlinkte Webseite angezeigt wurde. Leider unterstützt der Browser keine Links, die in einem neuen Fenster öffnen. Zur Darstellung einer einzelnen Website ist der Browser für mobil aufbereitete oder responsive Webseiten aber brauchbar. Auch auf 1024Pixel maximale Breite optimierte Webseiten lassen sich im Querformat gut darstellen und navigieren. Ein schönes Argument für standardkonforme barrierearme Webseiten, die funktionieren auch super im Kindle-Browser. Ab sofort wird das getestet.

Ein weiteres interessantes Thema sind die Publizierungsmöglichkeiten, die sich bei einem eBook eröffnen. Das kann sich gleich mehrfach auszahlen, neben Einnahmen durch Buchverkäufe kann die Bekanntheit des Autors als Anbieter mit besonderer Expertise steigen. Selfpublishing gerade für das eigene Thema und Angebot ist aus Marketingsicht eine sehr interessante Möglichkeit, sich umfassend darzustellen. Mehr Informationen gibt es dazu unter pageyou.

  • Datum: 03.10.2012
  • Autorin: Dorothea Schäfer
  • Anzahl Kommentare: 1
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